Waldumbau in Bayern – Fit für den Klimawandel?

In Bayern ist mehr als ein Drittel mit ihm bedeckt. Der Wald spielt immer noch eine wichtige Rolle in unserem Alltag und unserer Wirtschaft. Doch Förster und Waldbesitzer stehen vor einer großen Herausforderung. Der Wald muss umgebaut werden. Denn der Klimawandel bedroht den Wald, wie wir ihn in Bayern kennen und nutzen. Wir brauchen einen Waldumbau. Eine Veränderung muss kommen!

Laubwald
Foto: Flickr, Mike Powell aka Elektroll, CC BY 2.0

Die Wälder in Bayern bestehen vor allem aus Fichten und Kiefern. Fast die Hälfte der Waldfläche ist mit ihnen bepflanzt. Nach der intensiven Waldnutzung im späten Mittelalter und den Kriegsschäden der beiden Weltkriege eigneten sich Fichte und Kiefer hervorragend, um die Wälder schnell wieder aufforsten und bewirtschaften zu können. Damit verschwanden langsam aber sicher die Misch- und Laubwälder aus unserer Landschaft.

Wer viel im Wald unterwegs ist, kann wahrscheinlich bestätigen, dass dort vor allem Nadelbäume wachsen. Sie wachsen schnell und sind gut geeignet für die Holzproduktion. Deshalb waren und sind sie sehr beliebt bei Förstern und Waldbesitzern. In den letzten Jahrzehnten zeigte sich, dass allen voran die Fichte dem Klimawandel nicht gewachsen ist. „Viele Baumarten sind an diese extreme Hitze und an die Trockenheit nicht angepasst und vor allem trifft das die Baumart Fichte, seit dem Hitzesommer 2015 aber auch verstärkt die Kiefer, und diese Baumarten beginnen jetzt abzusterben“, erklärt Ralf Straußberger, der für den Bund Naturschutz arbeitet und selbst Waldbesitzer und Jäger ist.

Hitze und Parasiten gefährden den Baumbestand

Nicht immer sterben die Bäume den Hitzetod. Oft sind sie von den hohen Temperaturen geschwächt und werden anfälliger für Pilze und Parasiten. Gerade die Kiefer wird dann oft von Borkenkäfern befallen, diese geben dem Baum den Rest. Die abgestorbenen Bäume lassen sich sehr einfach erkennen. Die Nadeln werden rot und fallen nach einiger Zeit ab. In der Landschaft äußert sich das durch rostrote Kiefernkronen, die aus den Wäldern hervorspitzen. Je mehr Bäume sterben, umso lichter wird der Wald, auf Dauer entstehen Kahlflächen, die sich nur schwer wieder bepflanzen lassen.

Rote abgestorbene Kiefern im Wald

Eine Erhaltung und somit ein Umbau des Waldes ist nicht nur für die Forstwirtschaft essentiell. Denn der Wald macht für uns mehr, als nur Holz zu produzieren. Er schützt uns in den Gebirgen vor Steinschlag, Schlamm- und Schneelawinen und an Flüssen vor Überschwemmungen. Durch seine Wurzelgeflechte filtert und sammelt er sauberes Trinkwasser. Er ist für viele Menschen ein Naherholungsgebiet, und obwohl er selber durch den Klimawandel bedroht wird, schützt er uns auch vor ihm. Er reguliert die Temperatur, erhöht die Luftfeuchtigkeit und speichert große Mengen CO2. Zu guter Letzt reinigt der Wald unsere Luft von Staub und anderen Schmutzpartikeln.

Vielerorts wird am Waldumbau gearbeitet. Die bayerische Forstverwaltung will bis 2020 100.000 ha Privatwald und bis 2033 170.000 Hektar Staatswald in Mischwälder umwandeln. Das entspricht etwa der Fläche des Saarlandes. Statt Fichten und Kiefern sollen Buchen und Eichen in Zukunft das Bild des Waldes prägen. Sie kommen mit den steigenden Temperaturen besser zurecht. Doch stellt ihre Aufzucht eine Herausforderung dar. „Wenn man einen stabileren Wald bekommen will, braucht man gerade die Baumarten, die von den Rehen gerne gefressen werden“, sagt Peter Straußberger.

Für den Klimaschutz muss die Zahl der Rehe sinken

Ein Reh im Wald
Foto: Flickr, Martin Abegglen, CC BY-SA 2.0

Die Verjüngung und Stabilisierung des Waldes scheitert oft am starken Rehverbiss an den Jungpflanzen. Im Wald sieht man deshalb oft eingezäunte Bereiche, in denen kleine Bäumchen heranwachsen. Ralf Straußberger und der Bund Naturschutz halten nicht viel von dieser Methode: „Man ist flächenmäßig sehr begrenzt, es ist teuer und bedeutet sehr großen Aufwand.“ Oft bleibt der Zaun auch nicht lange unbeschädigt. „Wir haben vielerorts ja Wildschweine, die rennen einfach durch den Zaun, dann ist der Zaun beschädigt und wir haben am Ende mehr Rehe im Zaun als außerhalb“. Das erhöhe die schon hohen Anschaffungskosten. Aber auch abgesehen von den Ausgaben sei der Waldumbau mit Zaun eine eher unsinnige Option. Mit der Verjüngung innerhalb des Zaunes könne man nur sehr kleine Gebiete umstrukturieren. Die nötigen Flächen ließen sich nicht rechtzeitig umwandeln. Die Lösung sieht Ralf Straußberger in einer engen Zusammenarbeit mit den Jägern und einem erhöhten Abschuss von Rehen.

„Die Jäger haben eine ganz wichtige Rolle beim Waldumbau“

Für den Waldumbau steht die erhöhte Anzahl der Rehe im Mittelpunkt. „Wenn die Rehwildbestände nicht angepasst sind, ist es eigentlich völlig unmöglich, einen Mischwald auf größerer Fläche hinzubekommen“, sagt Ralf Straußberger. Eine Veränderung des Jagdverhaltens sei damit unumgänglich. Erst so könnten Pflanzen ohne Schutzmaßnahmen wachsen und ein Mischwald entstehen. Neben der engen Zusammenarbeit mit den Jägern sieht er auch die Politik in der Verantwortung. Das Jagdgesetz müsste auf die neue Situation angepasst werden. Dem Bund Naturschutz ist dabei vor allem eines wichtig, dass der Grundsatz „Wald vor Wild“ großflächig u

Für den Wald, aber auch für Förster, Waldbesitzer und Jäger ist es wichtig, dass die nächste Generation Wald in den Startlöchern steht, wenn die oberen Stockwerke der Fichten und Kiefern absterben. Denn auf Kahlflächen, also komplett vegetationsfreien Gebieten, wird die Aufzucht eines neuen Waldes noch schwieriger. Deshalb müssen das Bewusstsein für die Notwendigkeit eines Waldumbaus und die damit zusammenhängenden Maßnahmen erhöht werden. Bei Förstern, Waldbesitzern und Jägern. Aber schon einige Projekte machen Mut und zeigen, dass ein Waldumbau auch auf größerer Fläche in Zusammenarbeit funktionieren kann.

Wie du in deinem Alltag dem Klimawandel begegnen kannst, erfährst du mit diesen 10 Klimaschutz Tipps.

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