Unverpackt einkaufen in Bamberg

Verpackungsfrei einkaufen ist nicht einfach und bedarf viel Planung und Zeit. Am einfachsten ist es, gleich in einem Unverpackt-Laden einzukaufen. Das Problem? Oft gibt es keinen in der Nähe. Für die Bamberger löst sich dieses Problem jetzt in Luft auf. Denn im November eröffnet dort der erste verpackungsfreie Supermarkt.

Unverpackt Bamberg Inhaberinnen
Foto: Sarah Seewald

Die Schwestern Alina und Tuz waren das geringe plastikfreie und unverpackte Angebot beim Einkaufen leid. Sie entschieden sich, anstatt sich zu ärgern, selbst etwas zu verändern. „Wir leben selber mit der Einstellung so biologisch und nachhaltig wie möglich einkaufen gehen zu wollen, und da ist das plastikfreie Angebot nicht gegeben und deswegen dachten wir uns, machen wir so einen Laden auf. Dann können wir und Bamberg plastikfrei einkaufen“, erzählt Tuz. Im Alter von 22 und 19 Jahren eröffnen sie im November den ersten Unverpackt-Laden Bambergs.

Seit der Idee sind jetzt schon eineinhalb Jahre vergangen und Alina und Tuz haben schon viel geschafft. Mit ihrer Facebookseite fing alles an. Dort stellten sie sich und ihr Projekt vor und starteten bald ihre Crowdfunding Kampagne. Diese war ein voller Erfolg und die ersten 44.000 Euro waren finanziert. Auch der perfekte Standort ist gefunden und der Mietvertrag schon unterschrieben.

Der Weg bisher war nicht einfach. Die größten Hindernisse sehen die Schwestern im Emotionalen. Tuz sagt: „Schwierig ist es, mit dem Gedanken klar zu kommen, dass du dich selbstständig machst. Da hat man schon Respekt vor. Aber eigentlich ist erstmal alles schwierig, weil wir ja bei null angefangen haben.“ Der Start der Crowdfunding Kampagne fiel gerade Tuz nicht leicht: „Am Tag vorher haben wir noch gescherzt ‚ach wir sind gar nicht aufgeregt‘ und dann starte ich die Kampagne und bin völlig aufgelöst. Alina hat gerade im Reformhaus gearbeitet, und als ich dort hingekommen bin, dachte sie, es wäre jemand gestorben oder so.“

Unverpackt einkaufen und Menschen begegnen

Inzwischen sind Tuz und Alina voller Vorfreude und haben schon genaue Erwartungen von dem Laden. Tuz will, dass der Unverpackt-Laden eine Begegnungsstätte wird: „Nicht nur nachhaltiges Einkaufen, sondern auch ein Ort für jeden, der Lust hat zu kommunizieren, sich auszuruhen und auszutauschen.“ Alina fügt hinzu: „Dann ist natürlich noch der Traum, davon leben zu können, irgendwann.“ Die Begegnungsstätte wird in Form eines kleinen Cafés ihren Platz im Laden kriegen.

Ihr Laden soll hauptsächlich verpackungs-, aber auf jeden Fall plastikfrei sein. Nur bei der Lieferung gibt es kleine Ausnahmen. „Es sind Großgebinde, also immer so 20 bis 25 Kilo Säcke, die sind meistens aus Papier und bei einigen Produkten ist noch eine Plastikfolie mit drinnen. Manchmal geht das nicht anders, wenn da Luftfeuchtigkeit ran kommt, ist es schlecht, aber ich denke, im Großen und Ganzen entsteht trotzdem weniger Plastikmüll“, sagt Alina und merkt an, „wir wollen mit den Lieferanten möglichst eng zusammenarbeiten, damit der komplette Lieferweg so wenig Müll wie möglich produziert.“

Verpackungsfreies Gemüse in einem Einkaufskorb
Foto: Unsplash, Brooke Cagle

In ihrem verpackungsfreien Laden wollen die beiden nur biologische Ware verkaufen und eine breite Palette an Produkten anbieten. Außer Fleisch ist fast alles dabei. Neben Lebensmitteln wie Käse, Milch, Nudeln werden auch Non-Food-Artikel im Angebot sein. „Also alles was man für diesen Lebensstil gebrauchen kann“, sagt Alina. Dazu gehören Brotdosen und Trinkflaschen aus Edelstahl, Bambuszahnbürsten, Hygieneartikel und Putzmittel zum selber Abfüllen. Der Laden soll alles anbieten, was man in einem normalen Supermarkt auch bekommt.

Der Laden hat ein ganzheitliches nachhaltiges Konzept, und damit soll auch die Einrichtung Ressourcen schonend werden. „Wir wollen den Laden mit gebrauchten und selbstgebauten Sachen einrichten“, erklärt Alina. Damit fangen die Schwestern jetzt schon an und kaufen secondhand Geschirr, das später in ihrem Café Gebrauch finden wird.

Eigene Behälter mitbringen

Die Kunden sollten am besten Dosen mitbringen. Aber auch ein Pfandsystem ist geplant, bei dem man sich Gläser und Behälter ausleihen kann. Außerdem werden die Schwestern Papiertüten für diejenigen anbieten, die Taschen und Behälter vergessen haben. Für die beiden bieten aber gerade leichte Stofftaschen eine gute Lösung. „Viele verbinden so einen Einkauf mit schweren Gläsern, einem vollgepackten schweren Rucksack. Aber wenn man für trockene Lebensmittel diese Stoffsäckchen verwendet, dann ist das nicht schwerer als eine Plastikverpackung“, sagt Tuz. Für ältere Kunden oder solche, die nicht mobil sind, wollen Tuz und Alina einen Lieferservice anbieten. Doch Tuz ist klar: „Es ist viel geplant. Am Anfang aber wahrscheinlich erstmal ein bisschen weniger und dann immer mehr.“

Eine letzte Hürde müssen sie noch bewältigen. „Gerade versuchen wir noch einen Kredit zu kriegen. Es fehlen noch 25.000 Euro. Wir waren schon bei zwei Banken und haben aber eine Absage bekommen. Jetzt haben wir uns professionelle Hilfe von Gründungsberatern geholt, und die werden diesen Teil übernehmen“, sagt Alina. Die Schwestern sind zuversichtlich, dass auch dieses Problem noch gelöst wird. Tuz merkt an: „Es ergibt sich echt immer alles. Außerdem müssen wir ja eröffnen. Wir haben den Mietvertrag für drei Jahre. Egal was kommt, der Laden wird auf jeden Fall eröffnet!“

Die ersten Schritte müssen Alina und Tuz auch nicht alleine gehen. Die verschiedenen Unverpackt-Läden im Land haben sich zu einer Genossenschaft zusammengeschlossen und ein großes Netzwerk aufgebaut, in dem sie sich munter über Probleme, Tricks und Kniffe austauschen können. Wo es überall Unverpackt-Läden in Bayern gibt, kannst du auf meiner Karte mit verpackungsfreien Supermärkten nachschauen. Welche Plastikartikel du ganz einfach durch Alternativen austauschen kannst, erfährst du im Artikel „9 Alltagsgegenstände für weniger Plastikmüll„.

4 Gedanken zu „Unverpackt einkaufen in Bamberg

  • 31. Juli 2017 um 11:27
    Permalink

    Der Artikel ist super toll geworden! Herzlichen Dank für das schöne Interview!

    Liebe Grüße
    Alina und Tuz

    Antworten
  • 14. August 2017 um 11:21
    Permalink

    so ..cool – meinen Glückwunsch an Euch süsse Korbflechterinnen ..keep going strong 🙂

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  • 14. August 2017 um 18:22
    Permalink

    Tolle Idee, viel Glück und Mut weiterhin
    und mein Wahlspruch lautet immer bei meinem gegenüber
    – Finden Sie doch nicht 100 Gründe warum es nicht geht
    sondern 1 Grund warum es geht👍🏼😊

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