Bienen helfen – Mit diesen Tricks wirst du zum Bienenretter

Filme, Dokumentationen, Zeitungsartikel. In den letzten Jahren wurde viel über das Bienensterben und seine Auswirkungen berichtet. Der Demeter Imker Hannes Gerstmeier hat verraten, wie du den Bienen helfen kannst und einen Beitrag dazu leistet, dass wir auch in Zukunft die summenden Tierchen um uns haben.

Mit vielfältiger Bepflanzung kann man den Bienen helfen.

Die Bienen werden durch Varroamilben, Pestizide, den Klimawandel und imkerliche Manipulationen geschwächt. Aber auch einseitige Bepflanzung in Landwirtschaft und Gärten belasten ihre Gesundheit. Aber es betrifft nicht nur die Bienen. Auch alle anderen Insekten wie Schmetterlinge und Käfer sind betroffen, und auch sie sind wichtig für unser Ökosystem. In einer Untersuchung des NABU, dem Naturschutzbund Deutschlands, zeigte sich, dass die Anzahl der Insekten in den letzten 15 Jahren um 80 Prozent geschrumpft ist.
Das Insektensterben hat nahezu die gleichen Ursachen wie das Bienensterben. Sie wirken im ersten Moment wie Dinge, an denen alle Nicht -imker, -politiker und -landwirte nichts ändern können. Aber auch wir „normalen“ Menschen können den Bienen und Insekten helfen. Mal mit mehr und mal mit weniger Aufwand.

Ein bienenfreundlicher Garten

Hat man einen eigenen Garten, kann man einiges zum Wohle der Honigbiene, aber auch für andere Insekten tun. Dabei soll sich auch nicht alles um den Bienenschutz drehen, denn natürlich will jeder seinen Garten auch nutzen. Das betont Hannes Gerstmeier: „Man muss immer schauen, wer lebt hier und welche Fläche steht zur Verfügung. Das Gesamte muss zusammenpassen“. Man kann nicht erwarten, dass jeder alles umsetzt. „Nur Wildblumen ansähen und Wiese anlegen, dass man sich nicht mehr reinsetzen kann und die Kinder nicht mehr Fußballspielen können, damit ist ja auch niemandem gedient, sagt Hannes Gerstmeier. Gerade wenn Veränderungen anstehen, kann der Garten leicht bienenfreundlicher werden.

1. Blühende Heckensträucher ersetzen Thujenhecken

Während die Thujahecke nur als Sichtschutz oder Begrenzung dient, sind blühende Heckensträucher eine Verlockung und Nahrungsquelle für Honigbienen und andere Insekten. An ihren Blüten können sich nicht nur die Bienen freuen, denn sie bereichern und dekorieren den Garten. Einige Beispiele dafür sind Bauernjasmin, Hibiskus und Zwergflieder.

2. Vielfältig anpflanzen

Schmetterling auf einem Sommerflieder

Die Wahl vieler verschiedener Pflanzen ist aus zwei Gründen wichtig. Zum einen sind die Blüten besuchenden Insekten von Frühling bis Herbst unterwegs und brauchen immer ein ausreichendes Nahrungsangebot. Zum anderen gibt es Insektenarten, die nur bestimmte Pflanzen anfliegen. Ein besonders großes Nektarangebot haben Weide, Wegwarte, Phacelia und viele Obstbaumarten. Winterheide, Heckenkirsche und Haselnuss fangen schon im Januar zu blühen an. Im Frühling folgen dann Obstbäume wie Apfel und Kirsche. Danach bieten Weide und Phacelia ein großes Nektarangebot. Wer sich genauer informieren will, findet mehr Informationen im Bienenlexikon vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft. Darin sind 128 Bäume, Sträucher, Stauden und Blumen aufgelistet. In sechs Kategorien kann man ihre jeweilige Bienenfreundlichkeit, ihren Pollen- und Nektaranteil und Licht- und Standortvorlieben herausfinden.

3. Den Garten naturnäher gestalten

Genauer gesagt heißt das: nicht so penibel sein und ruhig einmal kleine Flecken verwildern lassen. Andere Insekten freuen sich über einen wilderen Garten und finden dort ihr Zuhause. Am besten ist es sogar, ein paar Brennnesseln wuchern zu lassen. Auch wenn sie beim Menschen unangenehmes Brennen verursachen können, bieten sie Schmetterlingen ideale Brutplätze. Die Brennnesseln können später für Tee genutzt werden.

4. Seltener mähen

Auch Klee ist eine sehr bienenfreundliche Blume und deshalb freuen sich die Honigbienen, wenn der Rasen nicht immer raspelkurz abgemäht wird. Auch andere Pflanzen finden dann den Weg auf die Rasenfläche. Für den Gartenbesitzer hat das einen entscheidenden Vorteil. Er spart sich Arbeit und muss nicht mehr so oft mähen. Natürlich funktioniert das nur, wenn der Rasen nicht als Fußballplatz oder Spielwiese gebraucht wird. Lässt es die Fläche zu können alternativ auch nur einzelne Teile ungemäht bleiben.

5. Eine Blumenwiese sprießen lassen

Hummeln sammeln Nektar in einer weißen Blume

Ist der Garten ist sehr groß oder ein Teil wird wenig genutzt, dann ist eine Blumenwiese vielleicht das Richtige. Mit einer insektenfreundlichen Saatmischung lässt sie sich leicht anlegen. Natürlich darf dann auch hier nicht mehr gemäht werden. Eine Nutzung als Liegewiese bleibt dann ebenso aus. Aber wenn einen das nicht stört, freuen sich Honig-, Wildbienen, Käfer und Hummeln daran.

6. Bei Veränderungen im Garten an Insekten denken

Ist der Garten erstmal angelegt und sind alle Bäume und Hecken gepflanzt, will man die nächsten Jahre wahrscheinlich nicht mehr viel verändern. Denn der Wunschgarten hat viel Arbeit und Mühe gekostet. Das sieht auch Hannes Gerstmeier so: „Wer das vor 20 Jahren gemacht hat, reißt die jetzt nicht raus. Der freut sich, dass sie jetzt richtig dicht und grün ist. Der fängt jetzt nicht an die Tujenhecke auszureisen und pflanzt da eine lebende Hecke hin“. Es soll sich keiner schlecht fühlen, weil er keine blühende Hecke oder bienenfreundliche Pflanzen hat. Die Veränderungen müssen nicht von jetzt auf heute kommen. Stück für Stück lassen sich Sachen verbessern.“ Wenn man was neu anlegt oder wenn man was neu gestaltet und da auch mal an die Insekten und die Bienen denkt, ist schon ganz ganz viel gewonnen“ sagt der Imker.

Auch ohne Garten bienenfreundlich leben

Im ersten Moment könnte man denken, nur mit Garten könnte man den Bienen helfen. Dem ist aber nicht so. Denn viele Lebensbereiche sind eng mit der Natur und damit auch mit unserer Honigbiene verknüpft.

7. Bio Lebensmittel kaufen

Wer biologische Lebensmittel kauft, hilft den Bienen gleich auf mehreren Ebenen. Das Obst, Gemüse und das Futter für Bioschwein, -huhn und -kuh werden in der biologischen Landwirtschaft nicht gespritzt. Die Bienen können über die Felder wandern, ohne mit Giften in Kontakt zu kommen. Sammeln sie auf biologischen Feldern, tragen sie nichts davon in ihre Stöcke und es gelangt nichts in ihren Honig. Die Biene und ihr Honig sind weniger belastet. Zusätzlich setzt der Verbraucher damit ein Zeichen, und zwar: Wir wollen die Natur weniger belasten und nachhaltiger leben! Damit wachsen im Umkehrschluss die pestizidfreien Flächen weiter an und Honigbiene, Schmetterlinge und Käfer kommen immer weniger in Kontakt mit Giften.

8. Einer Solawi beitreten

Bei Solidarischen Landwirtschaften schließen sich mehrere Menschen zusammen und bewirtschaften gemeinsam ein Stück Land oder arbeiten in Kooperation mit Landwirten. Der Ertrag wird dann in Ernteanteilen an alle Mitglieder verteilt. In der einfachsten Form bekommt man so schonend angebautes Obst und Gemüse. Wie bei dem Kauf von Bio Lebensmitteln hilft man der Biene dadurch, dass man eine nachhaltige Landwirtschaft unterstützt und ausbaut. Die Produkte sind bei manchen biologisch zertifiziert, bei allen ist die Anbauweise schonend und umweltverträglich. Außerdem kommt die Ware aus der direkten Region, damit wird CO2 durch kurze Transportwege gespart. Einen weiteren Vorteil bieten diese Gemeinschaften: Es wird weniger Überschuss produziert. Es landet also weniger im Müll. Denn durch die Anmeldung für einen Ernteanteil wissen die Verantwortlichen immer, wie viel sie anpflanzen müssen. Das Netz an Solidarischen Landwirtschaften wächst immer weiter. Schau auf diese Karte, wenn du wissen willst, ob sich auch eine Solawi in deiner Nähe befindet.

9. Honig aus der Region

Ein ganz wichtiger Punkt ist es, Honig aus der Region zu kaufen. Denn neben dem CO2 Verbrauch bei dem Transport, können auch Krankheiten ausländischer Bienenarten eingeschleppt werden. Die amerikanische Faulbrut befällt beispielsweise über unausgewaschene Honiggläser unsere Honigbiene. Sie fliegen in die Glascontainer und naschen von den Resten. Deswegen sollte jedes Honigglas vor der Entsorgung am besten in der Spülmaschine gewaschen werden. Mit der Wahl eines regionalen Honigs sinkt die Wahrscheinlichkeit einer übertragbaren Krankheit, aber auch hier sollte sicherheitshalber das Glas gespült werden. Der regionale Honig hilft aber nicht nur der Biene, auch sein Verzehrer profitiert davon. Durch das gleiche Pollenspektrum desensibilisiert der Honig aus der Region mögliche Allergiker.

10. Demeter Honig kaufen

Naturwabenbau Bienen

Wer wegen des Tierwohls auf Nummer sicher gehen will, sollte Demeterhonig kaufen. Hier können die Bienen so naturnah wie möglich leben, Honig sammeln und brüten. Die Schwächung durch imkerliche Maßnahmen reduziert sich. Die Tiere werden nicht nur als Honigproduzenten gesehen. Denn im Gegensatz zu konventionellen Betrieben dürfen Bienen in Demeter Imkerein ihr Wachs und ihre Waben selber bauen. Weil so jedes Jahr neues Wachs entsteht, sammeln sich im Bienenstock und Honig keine Pestizide und Gifte an. Die Biene darf sich außerdem nur über ihren Schwarmtrieb vermehren und der Honig wird möglichst unverarbeitet direkt ins Glas gefüllt.

11. Organisationen unterstützen

Wer neben der Ernährung und dem Lebensstil noch mehr bewirken möchte, kann Organisationen helfen, wie zum Beispiel dem Netzwerk Blühende Landschaften. Der Trägerverein Mellifera setzt sich dafür ein, dass unser Land wieder aufblüht und alle Blütenbestäuber wieder mehr Nahrung finden. Demeter, Bioland, BUND und NABU sind nur einige Vereine und Organisationen, die das Vorhaben unterstützen. Ein anderes Institut ist proBiene. ProBiene hat das Ziel durch Bildungsarbeit und die Weiterentwicklung der ökologischen Imkerei die Zukunft der Bienen und ihre Zusammenarbeit mit den Menschen zu ermöglichen.

12. Bienen helfen mit einer Patenschaft

Bei Bienenretter.de kann man ab 36,50 pro Jahr Bienenpate werden. Dafür erhält man zu Beginn eine Urkunde, einen Honigheber und ein Saattütchen mit einer Blühmischung. Zusätzlich erhält man einmal im Jahr ein Glas Honig. Durch die jährliche Spende finanziert der Verein Bildungs- und Aufklärungsarbeiten und die Pflege von Honig- und Wildbienen. Auch der Verein Mellifera bietet eine ähnliche Patenschaft an. Bei beiden lassen sich die Patenschaften auch zu Geburtstagen oder anderen Gelegenheiten verschenken und man kann damit den Bienen helfen.

13. Schwachen Bienen helfen

Vergesst das Zuckerwasser! Du kannst schwachen Bienen helfen, indem du ihnen einen Tropfen Honig gibst, um sie aufzupäppeln. Wer sich traut, kann einfach ein wenig Honig auf die Fingerspitze nehmen und der Biene anbieten.

14. Etwas gegen den Klimawandel unternehmen

Wer den Bienen helfen möchte, kann das auch tun, in dem er etwas gegen den Klimawandel unternimmt. 10 Tipps dazu erhältst du im Artikel über Klimaschutz im Alltag.

Auch wir Bürgen müssen den Bienen helfen, um etwas gegen das Bienensterben zu unternehmen. Hannes Gerstmeier ist sich sicher, dass der Verbraucher mehr Macht hat, als ihm bewusst ist. „Ich glaube wir haben als Verbraucher einen sehr großen Einfluss auf Wirtschaft, Industrie, auch auf die Landwirtschaft und immer auch auf dem politischen Weg über Wahlen“. Wir Bürger können durch unser Verhalten viel bewirken. Jeder sollte dabei frei entscheiden können, für was und wie stark er sich einsetzen möchte.

 

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